Jetzt nichts falsch verstehen. Grundsätzlich finde ich Seminare, die den richtigen Umgang mit Pferden vermitteln gut und richtig - aber wenn man seinem Pferd etwas beibringen oder die Angst vor etwas nehmen will, braucht das vor allem Zeit. Es nützt also nichts, von einem Trainer ein Wunder zu erwarten und wenn das Wunder nicht kommt, den Trainer zu wechseln.
Beispiel Pfützen. Bei den ersten Ritten im Gelände ist mein Pferd partout nicht durch Pfützen gegangen (auch heute geht er nur dann durch, wenn ich deutlich signalisiere, daß er soll, ansonsten - also wenn ich ihne einfach locker gehen lasse - geht er an der Pfütze vorbei)
Dann habe ich angefangen, zu üben. Zunächst auf dem Platz. Ich habe ihn bis an die Pfütze geführt und bin dann vor ihm rein. Sobald er mir gefolgt ist, habe ich ihn gelobt. Als das gut klappte, bin ich im Sattel an die Pfützen geritten. Am Rand der Pfütze habe ich ihn stehen lassen und ich habe ihn die Pfütze beschnuppern und anschauen lassen. Dann habe ich langsam vorwärts getrieben. Immer Stück für Stück. War er erstmal mit den Vorderhufen im Wasser, war der Rest kein Problem mehr.
Es hat aber sicher ein halbes Jahr gedauert, bis Pfützen kein Problem mehr waren. Und nach einer langen Trockenperiode muß ich wieder vorsichtig sein.
Wenn man also seinem Pferd die Angst vor etwas nehmen will, sollte man das Problem in kleine Schritte unterteilen. Wichtig ist, daß man selbst Ruhe und Zuversicht ausstrahlt. Wenn man selbst hektisch wird, verstärkt das die Angst des Pferdes nur noch. Ist das Pferd nervös und fluchtbereit, sollte man passiv bleiben und wenn es sich entspannt, mit Stimme loben (sonst lobt man versehentlich die Fluchtbereitschaft und das ist je gerade das Verhalten, was man vermeiden will). In schwierigen Situationen (z.B. in der Halle) hat es mir manchmal geholfen, kurz stehen zu bleiben und darauf zu warten, daß sich mein Pferd entspannt und erst dann weiterzureiten (leider hilft das nicht immer).
Manchmal kann es auch helfen, die gefährliche Situation (bei uns im Stall ist es die an einer Seite offene Halle) solange zu meiden, bis das Pferd locker ist und gut mitarbeitet. Wenn ich z.B. merke, daß mein Pferd sich in der Nähe des Netzes (die offene Seite) verspannt und fluchtbereit macht, reite ich einfach öfter auf dem Mittelzirkel oder auf dem Zirkel beim Eingang, bis ich merke, daß er sich mehr auf mich als auf die Umgebung konzentriert.
Das Wichtigste und dabei zugleich das Schwierigst ist es wirklich, immer die Ruhe zu bewahren. Leider werde ich oft im falschen Moment wütend und reagiere absolut falsch (z.B. indem ich nur am Zügel ziehe), aber dann sage ich mir immer wieder, daß ich mit Gewalt nichts erreiche. Ich muß mich immer wieder zu Geduld ermahnen (besonders wenn mal wieder so alles schief läuft und meine Trainerin mich auf dem Kieker hat).
Tja, mal sehen, wie heute abend die Stunde wird :)
